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Das MT stellt uns vor.

  • Autorenbild: Olbricht Rechtsanwälte
    Olbricht Rechtsanwälte
  • 4. Aug. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Hille-Oberlübbe. Wenn Martin Olbricht über seinen Werdegang spricht, fällt immer wieder das Wort „Mut“. Der gebürtige Oberlübber hat in den Garten seines Elternhauses eingeladen, neben ihm liegt sein Bürohund Chico, der ihn seit zwei Jahren begleitet. Der 27-Jährige ist Rechtsanwalt und hat bereits seine erste Kanzlei in Berlin gegründet. Eine weitere Niederlassung in Oberlübbe ist ebenfalls in Planung. Wie er das in so jungen Jahren erreicht hat, warum seine Schulzeit teilweise schwierig war und wie er den Spagat zwischen der Hauptstadt und seinem Heimatort schaffen will, hat er dem MT erzählt.


Es sei das eine Prozent mehr oder weniger, das darüber entscheidet, ob man seinen Weg geht und seine Ziele erreicht oder eben nicht, ist Martin Olbricht überzeugt. Mutig seinen Weg zu gehen, das zeichnet den Oberlübber aus. Und hätte er diese Konsequenz nicht auch schon in der Schule an den Tag gelegt, wäre er jetzt vielleicht nicht da, wo er ist. Er spricht von Mobbing, von Ignoranz und Konflikten mit anderen Schülern. „Das Gefüge hat einfach nicht gepasst. Ich war nicht Teil einer sozialen Gruppe“, sagt er rückblickend über seine Zeit an der Verbundschule in Hille.


Er habe großes Glück, dass seine Eltern sich für ihn eingesetzt hätten. Und auch Cordula Küppers sei er heute noch dankbar. Die Leiterin des Ratsgymnasiums in Minden hätte ihn nach der 9. Klasse an ihrer Schule aufgenommen. Der Oberlübber vertritt die Auffassung, dass nicht nur die reine Leistung, sondern auch die Motivation in die Benotung einfließen sollte. Es gebe genügend Schulen mit innovativen Ansätzen, aber ebenso viele, an denen der Drang nach Weiterentwicklung nicht gefördert wird. „Letztlich ist es eine Frage der Persönlichkeit, nicht der Noten, die einen Menschen ausmachen“, findet Olbricht. In Minden habe er neue Freundschaften geschlossen, einige halten bis heute. Sein Abitur machte er mit einem Notenschnitt von 1,3.


Den ersten Kontakt zur Juristerei hatte Martin Olbricht im Zuge seines Schulwechsels. Die Stadt Minden wollte seinerzeit die Fahrtkosten für den Bus nicht übernehmen und argumentierte damit, dass das nächstgelegene Gymnasium in Hille sei. Die Angelegenheit sei dann vor Gericht geklärt worden, wobei sein Vater sich selbst vertreten habe. Mit dem Argument, dass die Verbundschule kein reines Gymnasium sei, sondern lediglich einen gymnasialen Zweig hat, sei die Übernahme der Fahrtkosten auch für alle künftigen Schülergenerationen geregelt gewesen, berichtet Martin Olbricht, der seinen Vater damals zu der mündlichen Verhandlung begleitete.


Während sein Vater ein Jurastudium für den Sohn favorisierte, hätte die Mutter sich ein Physikstudium gewünscht. Mathe und Physik waren die Leistungskurse des Gymnasiasten. Obwohl Physik „eine große Leidenschaft“ von ihm gewesen sei, bewarb sich der Oberlübber an vier Universitäten für ein Jurastudium. Die Zusage der Humboldt-Universität Berlin sei sehr spät gekommen, aber für ihn die erste Wahl gewesen.


Der Wechsel des Wohnortes von Oberlübbe nach Berlin sei ihm nicht schwergefallen, sagt der Jurist rückblickend. Er fand kurzfristig ein WG-Zimmer im Studentenwohnheim, eine fünfjährige Förderung bei der Friedrich-Ebert-Stiftung entlastete ihn finanziell. Und auch das Studium an sich habe ihm keine großen Probleme bereitet. „Nur im Strafrecht bin ich einmal durchgefallen, aber das war ohnehin nicht mein Fachgebiet.“ Für ihn sei es wichtig gewesen, sich früh zu spezialisieren, und da sein größtes Interesse dem Baurecht galt, war die Fachrichtung schnell gefunden. Nebenher absolvierte Martin Olbricht noch eine Ausbildung zum Mediator. „Wo will ich hin? Und was muss ich tun, um dahin zu kommen?“, diese Fragestellungen seien für ihn die Zielrichtung des Studiums gewesen.


Die Fähigkeiten, die ein Mensch besitzt, gepaart mit einer Portion Mut, Disziplin und Motivation bräuchte es, um seine Ziele zu erreichen. Der Student besuchte während seines Studiums Karriereabende, kam mit anderen Juristen und Unternehmern ins Gespräch und sicherte sich ein Praktikum in einer Baurechtskanzlei, bevor er das Erste Staatsexamen absolvierte. Dank seiner Kontakte übernahm er anschließend die Rechtsabteilung eines mittelständischen Bauunternehmens in Berlin. Vor dem Job-Angebot hätte er sich auch vorstellen können, die Hauptstadt wieder zu verlassen. Doch er blieb, führte für die Firma Vertragsverhandlungen und arbeitete nach einem halben Jahr schon seinen ersten Mitarbeiter ein.


Das selbstständige Arbeiten gefällt dem Juristen deutlich besser als das bloße Hangeln von Klausur zu Klausur. „Das selbstständige Denken und Handeln habe ich von meiner Familie mitbekommen“, sagt Martin Olbricht. Daher entschloss er sich, nach einer kurzzeitigen Rückkehr in die Baurechtskanzlei sein eigenes Büro zu gründen, und hat laut eigenen Angaben 170 Quadratmeter große Räumlichkeiten in Aussicht. Er habe einen umfangreichen Businessplan geschrieben, habe Menschen an seiner Seite, die ihn unterstützten und mit dem Abschluss des Zweiten Staatsexamens jetzt auch die Befähigung, als Rechtsanwalt zugelassen zu werden.


Neben dem Standort in Berlin möchte er auch eine Niederlassung in Oberlübbe aufbauen. Sicherlich werde er nicht im Wochenwechsel mal hier, mal da sein können, aber es gebe schließlich auch die Möglichkeit, sich mit Mandanten digital treffen. Gerne möchte er weitere Mitarbeiter einstellen und auch seine große Büchersammlung soll einen Platz in seiner Kanzlei finden.

 
 
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